Datum: 07. November 2011 22:21
Hier wird eigentlich immer das gleiche gefragt (und auch meist das im Prinzip Richtige geantwortet) :-)
Der Vergleich mit "Friseuren" ist ziemlich gut, insbesondere was die Bezahlung angeht; die Arbeitszeiten sind natürlich deutlich problematischer: Die Abende sind gelaufen :-)
Wie wird man Friseur? Nun, man sucht sich einen "Ausbildungsplatz"! Das ist eine mühevolle Angelegenheit, weil es in einer Großstadt viele Friseure gibt. Da es aber selbst in einer Großstadt nur wenige Tanzschulen gibt, ist dieser Teil hier weniger mühevoll, sondern kurz und schmerzlos: "Nein, wir brauchen gerade niemanden!". Kriterien, wonach man genommen wird, sind sehr unklar, es ist nicht abwegig anzunehmen, dass das Aussehen eine große Rolle spielt und Beziehungen sehr nützlich sind.
Der Unterschied zum Friseur ist, dass es keine "staatliche" Ausbildung zum Tanzlehrer gibt, wie bei einem Handwerk oder einem Büro- oder Industrieberuf. Was dir in dieser Tanzschule dann beigebracht wird, kann deshalb sehr, sehr unterschiedlich sein. Ein "Ausbildungsvertrag" ist relativ beliebig und meist nicht zu deinen Gunsten formuliert.
In Deutschland sind es die ADTV-Tanzschulen, die sich durch ihre Verbandszugehörigkeit einigermaßen einheitlich und ausbildungsfreundlich verhalten.
Das Wichtigste zur ADTV-Ausbildung steht hier [
adtv-akademie.de]
Das sollte jeder erst mal gründlich studieren.
Der Unterschied zur staatliche "dualen" Ausbildung besteht auch darin, dass man statt (oder auch zusätzlich zu) der Berufsschule Kurse des ADTV besucht.
Wir haben bis jetzt über "angestellte Tanzlehrer" geredet, also Leute, die gerne ein festes Monatsgehalt bekommen, auch wenn dieses gering ausfällt. Da Tanzschulen sehr saisonempfindlich sind, arbeiten sie viel lieber mit "Freelancern"; natürlich hat man auch als Freelancer eine deutlich größerer Chance, wenn man eine abgeschlossenen "ADTV-Tanzlehrerausbildung" besitzt"...
Auf ganz ähnlicher Basis kann man auch in vielen Sportvereinen "jobben", je nach Niveau wird hier eine "Übungsleiter-C" Ausbildung oder eine "Tanztrainer-C" oder Tanztrainer-B" Lizenz erwartet. Diese Ausbildungen sind nicht horrend teuer und in Wochenendkursen während eines Jahres zu machen. Voraussetzung für Trainer-C ist, das man wirklich gut alle 10 Turniertänze beherrscht, und für "Trainer-B", dass man in der A-Klasse tanzt :-)
Natürlich steht es jedem offen, als "Selbstständiger" eine eigene Tanzschule aufzumachen. Hierfür sind KEINERLEI Qualifikationen erforderlich, insbesonderer muss man nicht einmal tanzen können :-) Wenn man allerdings viele SchülerInnen haben möchte, dann muss man schon mit etwas werben können. Internationale Turniererfolge oder wenigstens ein Landesmeistertitel (egal in welcher Klasse) sind da sicherlich hilfreich....
In den "Modetänzen" ist die Lage verwickelter; als Tango Argentino Lehrer sollte man am besten Argentinier sein, oder vorgeben, den Tango in Argentinien gelernt zu haben :-)
Bei Salsa ähnlich... Auftritte bei den neuerdings zunehmenden Shows und Festivals sind auch gut..
Dann kann man sich auch im "Bühnentanz" ausbilden lassen [
www.jumpforward.de] Das ist aber keine Ausbildung für "Lehrer", sondern für "Tänzer".
Noch mal zurück zu den Fähigkeiten. Wirklich gut Tanzen zu können - beide Rollen!!! - ist meiner Meinung nach schon Voraussetzung für einen "Lehrer-Job". Manche halten die pädagogischen Fähigkeiten für wichtiger: Als Lehrer musst Du nicht nur wissen, wie es am Ende aussehen soll, sondern wie der Weg dahin geht. Und Du musste die Fehler der Schüler erkennen und an den Ursachen dafür arbeiten.
Spaß am Tanzen zu haben ist auf jeden Fall eine ganz, ganz wichtige Voraussetzung für einen Tanzlehrer. Es müssen aber auch noch 90% weitere Tugenden dazukommen :-)